Um 1900
Eine eindrucksvolle und hochdekorative Skulptur, die einen reich geschmückten Elefanten mit aufwendigem zeremoniellem Howdah darstellt. Ausgeführt in Gips mit bemalter und vergoldeter Fassung und auf einem massiven Holzsockel montiert, zeigt die Skulptur das Tier in kraftvoller und würdevoller Haltung.
Der Elefant trägt ein aufwendiges zeremonielles Geschirr und Kopfstück, während sein Rücken einen reich dekorierten Howdah mit geometrischen Ornamenten in Rot, Schwarz und Gold trägt. Der sorgfältig modellierte Körper, das ausdrucksstarke Gesicht, die großen Ohren, die Stoßzähne und die monumentale Haltung verleihen der Skulptur eine besonders eindrucksvolle Präsenz.
Christliche und ikonographische Bedeutung
Der Elefant besitzt eine besonders interessante Verbindung zu König Balthasar, einem der Heiligen Drei Könige, die nach Bethlehem reisten, um dem Christuskind zu huldigen. Während das Matthäusevangelium die Magier weder namentlich nennt noch ihre Zahl oder ihr Transportmittel angibt, entwickelte die spätere christliche Tradition die vertrauten Gestalten Kaspar, Melchior und Balthasar.
Seit der Renaissance verband die europäische Kunsttradition die drei Könige zunehmend mit verschiedenen Teilen der damals bekannten Welt und mit charakteristischen Fortbewegungsmitteln. In einer besonders langlebigen Tradition wurde Balthasar dem Orient zugeordnet und auf einem Elefanten reitend dargestellt, während die anderen Könige mit anderen Tieren in Verbindung gebracht wurden. Diese Ikonographie findet sich in christlichen Weihnachtstraditionen und in Darstellungen der Anbetung der Könige.
Die Verbindung ist besonders treffend, weil der Elefant in der europäischen christlichen Kunst als Tier von großer Kraft, Würde und exotischer Majestät verstanden wurde und sich daher als angemessenes Reittier für einen König eignete, der aus einem fernen Land kam, um Christus anzubeten. Reich geschmückte Elefanten wurden so zu einem wirkungsvollen visuellen Mittel, den königlichen Status, den Reichtum und die ferne Herkunft der Magier zu vermitteln.
Diese Skulptur kann daher nicht nur als orientalistische Darstellung eines zeremoniellen Elefanten verstanden werden, sondern als Objekt, das mit der christlichen Ikonographie der Heiligen Drei Könige und der Erscheinung des Herrn (Epiphanie) verbunden ist. Der reich verzierte Howdah und das aufwendige Geschirr verstärken die Assoziation mit einem königlichen Zug und machen die Skulptur besonders eindrucksvoll, wenn man sie als den Elefanten König Balthasars deutet, der Bethlehem nähert.
Die Verbindung von christlicher Symbolik, königlichem Pomp und orientalistischem Dekorationsgeschmack macht diese Skulptur zu einem ungewöhnlichen und hochdekorativen Objekt, das besonders für Sammler religiöser Kunst, historischer europäischer dekorativer Kunst und Darstellungen der Heiligen Drei Könige geeignet ist.
Herkunft: Europäische / orientalistische dekorative Kunst Datierung: Um 1900 Material: Gips, bemalt und vergoldet, Holzsockel Thema: Zeremonieller Elefant, verbunden mit König Balthasar und den Heiligen Drei Königen Zustand: Guter antiker Zustand mit altersbedingten Gebrauchsspuren und Oberflächenpatina. Die Skulptur scheint zu einem früheren Zeitpunkt von Schäden restauriert worden zu sein. Maße: Höhe 59 cm; Breite 60 cm; Tiefe 23 cm